Motorisierte Zweiräder im Dienst der Deutschen Reichspost
In den zwanziger und dreißiger Jahren wurden erstmals Zweiräder bei der Post genutzt. In den folgenden Jahrzehnten setzte die Post Motorräder für Telegramm- und Eilzustellungen sowie für die Briefkastenentleerung ein. Außerdem schickte man Notdienste und Inspektoren auf Motorrädern zu ihren Einsätzen. Dreirad-Phänomobile und Motorräder fuhren bis auf die Rollfelder und lieferten die Flugpost direkt an die wartenden Maschinen. Als besonders strapaziös erwies sich für alle Kraftfahrzeuge die Briefkastenentleerung. Die ständige Wiederholung des Kurzzyklus von Halten, Anfahren, Bremsen und Beschleunigen sowie der vielfache Wechsel des Personals beanspruchten die Zweiräder extrem. Die Instandsetzungskosten kletterten dementsprechend hoch, der Nutzen der eingesetzten Maschinen war ökonomisch schwer zu kalkulieren. Auch der Einsatz hubraumstarker Gespanne, beispielsweise mit 600ccm-BMW Zugpferd, löste die Probleme nicht.

Im Jahr 1925 weist die Poststatistik für Berlin 49 Motorräder auf, darin sowohl Solo- als auch Gespann-Maschinen. Wir erinnern uns an die Zahlen aus dem obigen Exkurs zur "Verkraftung": Im Jahr 1925 trabten immerhin noch 40 Pferde für die Post durch Berlin. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen griff die Reichspost auf Maschinen verschiedener Hersteller zurück. Wir finden Ende der dreißiger Jahre beispielsweise den großen BMW Boxer R71 mit 750ccm-sv-Motor und einen am soliden Rohrrahmen angeschraubten Seitenwagen im Post-Fuhrpark. Weitere großvolumige Viertakt-Boxer für Seitenwagen-Betrieb hatte die Post von Zündapp und Viktoria (Nürnberg) gekauft, die Firma D-Rad in Berlin-Spandau lieferte Gespanne mit 500ccm-Einzylinder.

Fahrzeuge der Deutschen Reichspost hatten gegenüber den übrigen Verkehrsteilnehmern eine Sonderstellung. So waren Polizeibeamte nicht berechtigt, Kraftfahrzeuge der Deutschen Reichspost zum Zweck der Verkehrskontrolle anzuhalten. Dies durften nur Überwachungsbeamte der Post, denen nach Vorlage ihres besonderen Ausweises Wagenpapiere, Prüfbuch, Haltestellen- und Fahrpreistafel auszuhändigen waren. Landkraftpostwagen durften nach Einbruch der Dunkelheit auf freier Strecke selbst von Kraftwagen-Überwachungsbeamten nicht mehr angehalten werden. Ein weiteres Privileg der Postfahrzeuge war das Wegerecht.

Hierzu ein Auszug aus der Reichs-Straßenverkehrsordnung vom 28. Mai 1934:
"Fahrzeugen, die zur Erfüllung ihrer öffentlichen oder dem gemeinen Wohl dienenden Aufgaben freie Bahn brauchen und als solche kenntlich sind (Wegerechtsfahrzeuge), ist Platz zu machen... Zu den Wegerechtsfahrzeugen rechnen auch alle Kfz der DRP, die mit einer mehrtönigen Hupe ausgerüstet sind. Ein Vorfahrtsrecht schließt dieses Wegerecht nicht ein."

Das "leuchtende" Rot der Postfahrzeuge wurde nach der Machergreifung Hitlers eingeführt. Die bis dahin gelben Wagen wurden überlackiert und erhielten einen Anstrich entsprechend dem Rot der neuen Staatsflagge.

Quelle: Konrad Buschmann: "Da ging die Post ab", Weyand (2003)