Motorisierte Zweiräder im Dienst der Deutschen Post (DDR)
Nach Kriegsende war die Situation in der Sowjetischen Besatzungszone ähnlich der im westlichen Teil Deutschlands. Die Postfahrzeuge waren, sofern überhaupt noch vorhanden, größtenteils nicht fahrbereit. Mangel an Betriebsstoffen und Ersatzteilen herrschte allenthalben. Die wenigen fahrtüchtigen Postfahrzeuge, alles Überbleibsel der Deutschen Reichspost, wurden noch teilweise von der Besatzungsmacht beschlagnahmt. Dennoch kam der Postbetrieb wieder langsam in Gang. Mit viel Improvisation wurden die Räder, die nun nicht mehr für die Kriegsmaschinerie rollten, wieder ans Laufen gebracht. Dabei setzten Postangehörige mitunter ihr Leben aufs Spiel, wenn sie aus ehemaligen Wehrmachtsfahrzeugen, die beschädigt auf den Schlachtfeldern liegen geblieben waren, dringen benötigte Ersatzteile abmontierten. Scharfe Granaten und Minen waren dabei eine ständige Bedrohung.

Die Industrie, sofern nicht zerstört, hatte unter Reparation und Demontage zu leiden. Die Autoindustrie in der SBZ kam nur langsam auf die Beine. Ab 1956 wurde der Wartburg in den Eisenacher Motoren Werken hergestellt. Die Eisenacher Motoren Werke, EMW, waren vor dem Krieg eine BMW-Tochter und wurden in Ostdeutschland nach der Verstaatlichung zu einem Volkseigenen Betrieb, VEB. Bei den EMW wurden Anfangs BMW Nachbauten produziert, sowohl Motorräder als auch Automobile, die auch bei der Deutschen Post zum Einsatz kamen.

Als Zweiräder kamen bei der Deutschen Post vorwiegend einheimische Fabrikate zum Einsatz. Die in Suhl beheimatete Firma Simson begann die Nachkriegsproduktion mit dem AWO 425 Motorrad im Jahr 1950 und belieferte die Deutsche Post bis zur Wende. Die andere renommierte Zweiradfabrik MZ in Zschopau, ebenfalls mit vielen Fahrzeugen bei der Deutschen Post vertreten, überlebte die Wiedervereinigung und firmierte sich nun unter der Bezeichnung MuZ.

Nicht einheitlich wie in Westdeutschland, wo die Postfahrzeuge "BP-Nummern" trugen, war die Nummernschildvergabe in der DDR. Nach den Besatzungskennzeichen mit dem "S" für Sowjetunion, erhielten die Postwagen und -motorräder zivile Kennzeichen. Erkennbar waren sie nur durch Posthorn und den Schriftzug "Deutsche Post", der übrigens von Anfang an zur Verwendung kam. Eine "Steigerung" wie in Westdeutschland, anfangs "Post", dann "Deutsche Post" und schließlich "Deutsche Bundespost", gab es in der DDR nicht.

In der Farbgebung war für den Brief und Paketdienst als Grundfarbe gelb vorgesehen. Im Fernmeldebereich sollten die Fahrzeuge grau, im Funkwesen blau lackiert werden. Grundsätzlich wurde dieses Schema zwar eingehalten, aber Ausnahmen gab es.

Quelle: Konrad Buschmann: "Da ging die Post ab", Weyand (2003)